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Dienstag, 6. August 2013

Furka - Graue Wand - Eisbrecher (6b+)

Tour Datum: 26.-28.7.2013  / 2.Tag 27.7.
Nachdem wir uns am 1. Tag am Hanibalturm an den Granit gewöhnt hatten, gingen wir an die Graue Wand um eine alpinere und anspruchsvollere Route zu klettern.

Die Conquest mit dem berühmten  "Super-Fissure" wäre eigentlich eine sehr interessante Route aber gemäss 'schweiz extrem ost' mit altem, schlechten Material ausgerüstet (Nachtrag: am 15.8.2013 wurden die Standplätze saniert).
Wir sind deshalb in den rechten Teil der grauen Wand hochgestiegen und haben die Kalypso, 6c (6b obl.) von den Remy-Brüder in Betracht gezogen, doch angesichts der eher wilden Absicherung in der ersten Seillänge (welche wir einsehen konnten) haben wir dann die Route 'Eisbrecher' gewählt. 
GraueWand; der linke Teil mit der Conquest ist an der Sonne während der rechte Teil mit dem Vorbau unten noch im Schatten ist, von wo die Route Eisbrecher auf dem höchsten Punkt des Vorbaus startet (man kommt von rechts her an den Vorbau).
Vom Parkkplatz Tätsch sind wir kurz nach 7 Uhr via Albert-Heim-Hütte (unten vorbei), dann dem Bach entlang und an den Wandfuss der Grauen Wand gestiegen, im steileren Schlusshang mit Pickelhilfe (Vorsicht vor dem grossen Bergschrund!)Nachdem wir am Vorbau auf der rechten Seite bis an den höchsten Punkt geklettert sind (T5-Gelände) und uns gut vorbereitet hatten, konnten wir um 9:40 starten. 
In der klassischen Niedermann-Route hatte es bereits einige Seilschaften; die anderen, schwereren Routen in diesem Sektor werden eher selten begangen.

Sl1 6a (Accept) Ruedi wählte die Einstieg-SL von der Route Accept (die 1.SL von Eisbrecher ist 5c), weil er die Eisbrecher schon vor 30 Jahren geklettert hat und auch noch was neues kennenlernen wollte ;-) Gleich ein schwieriger, langer Riss (von unten sieht er harmloser aus) mit Handklemmer und oben dann stumpf und zudem müssen teilweise selber Cams gesetzt werden. Für Ruedi mit seinen USA-Kletter-Erfahrungen kein grösseres Problem, für mich aber doch schon das erste Mal anspruchsvoll.
Accept SL1, 6a (Einstiegsvariante zum Eisbrecher) Ruedi bei der Handklemmer-Stelle im langen Riss.
Sl2 6a+ Anfangs noch etwas einfacher leicht links hoch; ein Cam und eine Zackenschlinge muss man selber legen. Anschliessend eine difficiler Rechtsquerung in den Riss, wobei man besser tief halten und queren sollte (ich stieg zuerst diagonal hoch). 
Der 1.Bolt dann beim Riss nach ca. 12-15 m vom Stand aus. An die grossen Boltabstände und das selber Absichern muss man sich nach den Hanibal-Plaisir-Routen zuerst wieder gewöhnen! Oben dann wieder etwa einfacher dem Riss nach hoch. 
Sl3 6b+ Die Crux-SL der Route: auf einer Reibungsplatte diagonal links hoch. 2 Varianten: Entweder oben durch auf Reibungsplatte (zuerst hoch, dann links) oder unten an dem auslaufendem Riss nach piazzen (Reepschnur in Bolt vorhanden für diesen Fall).
Wir wählen den oberen Weg und schaffen es knapp im OS auf der difficilen Platte. Auch für den Nachsteiger ist die Querung anspruchsvoll. Die Absicherung mit Bolts ist hier gut.
Eisbrecher SL3 6b+, Ruedi bei der difficilen Platten-Crux
Eisbrecher, Stand SL3, Blick nach Osten in die Niedermann-Route wo ein Kletterer am Werke ist (in der unteren Bildmitte)
Sl4 5c+ Abwechslungsreiche Schuppen und Platten in denen viel selber abzusichern ist. 
SL4, 5c+, Platten und Schuppen. Unten sieht man den Vorbau; auf dessen linken Seite steigt man in steilem Schneefeld zu den Einstiegen hoch.
Sl5 6a, 35m  Weiter in schönen Rissen und Platten hoch. Wo Bolts notwendig sind, hat es auch welche, wenn auch wenige. 
Sl6 6a+, 15m Ruedi hängt diese SL mit SL5 zusammen was gerade knapp 50 m ergibt.
Sl7 6b, 35m Diese SL führt im grossen ZickZack sehr schön in abwechslungsreicher Kletterei hinauf.
SL7, 6b Crux-Stelle
Sl8 6b+ Gegenüber der anderen 6b+-SL ist diese SL athletischer mit einigen Rissen aber nach unserem empfinden doch eher etwas einfacher.
SL8, 6b+  kurz vor der steileren Passage
Sl9 6a Zuerst gerade hoch, dann kommt man links auf ein breites Grasband. In der Wand danach steckt unten und oben ein Bolt. Kurz vor dem oberen Bolt eine etwas grössere Schuppe, von wo aber der Bolt nicht erreicht werden kann. An dieser Platten-Stelle mit gefühlter 6b-Schwierigkeit wäre ein gefährlicher Grounder aufs Band die Folge; ich zögere. Mit der Cheet-Express konnte ich dann doch noch knapp den Bolt einhängen und die Stelle angstfrei klettern. Der Bolt ist einfach zu hoch gesetzt; als ob er Toprope eingerichtet worden wäre. Ruedi war der Ansicht, dass dies eine andere Remy-Route sei - aber welche? - und ich weiter links in einfacherem Gelände hätte klettern sollen; Martin Scheel würde nicht so bohren (das denk ich auch). Nachtrag: Gemäss dem Originaltopo ging die Route dort wirklich weiter links mit der Schwierigkeit 5 weiter und nicht die Platte hoch. Vermutlich wurde diese Variante beim Sanieren so eingebohrt (geändert). Schade das hier 'falsch' (gefährlich) gebohrt wurde.
SL9, 6a  Ruedi kurz vor der schwierigen Grounder-Plattenstelle, vor dem schlecht gesetzten Bolt. Die Originalroute des Eisbrechers ging rechts davon im 5-er Gelände.
Sl10 6a, 40m Sehr schöne Seillänge in Rissen und Schuppen
SL10, 6a  sehr schöner Fels; auch hier muss viel selber gesichert werden.
Sl11 5c+, 40m Ziemlich anspruchsvoll für eine 5c+ aber sehr schön.
SL12 5a Die letzte SL quert rechts hoch; in der Mitte noch eine etwas schwerere Stelle.

Um 14:50, nach gut 5 h sind wir nach einem sauberen Team-OnSight auf dem Grat.
Es beginnt zu regen und vor allem surren 2 Haken ca. 2 m höher auf dem Gipfel, da kleinere Gewitterwolken im Gebiet sind und ein leises Grollen hörbar ist. Meine Kamera surrt beim hochhalten auch, worüber ich natürlich ziemlich erschrecke und sie sofort tiefer halte!
GraueWand, Eisbrecher, Ausstiegsgrat, ein kleines Gewitter naht; die oberen Bolts und die Kamera surren beängstigend.
Wir wollen sofort abseilen, doch blockiert noch eine Seilschaft von der Niedermann-Route die Abseilstelle. Dann beginnt es zu regnen/graupeln und wir seilen möglichst schnell in etwas mehr als 1/2 Stunde über die super Abseilpiste ohne Verhänger ab. Der Regen ist nicht allzu stark, wir sind aber doch froh um unsere Jacke. Das Abseilgerät wird super gekühlt durch die regennassen Seile!
Blick in die regennasse Wand beim Abseilen im unteren Teil
Unten angekommen scheint die Sonne schon bald wieder und wir verpflegen uns gemütlich und geniessen die schöne Gegend. 
Vorsicht beim Abstieg am Vorbau: Zwischen der Wand und dem Vorbau ist es ziemlich brüchig und die Gefahr ist gross, dass man Steine auslöst und andere Absteigende gefährdet (beim Aufstieg ist dies weniger problematisch da die Niedermann-Route, wo die meisten Leute klettern, unten startet, aber die Abseilpiste endet oben am Vorbau). Bei uns haben 2 andere Absteigende relativ grosse Steine von oben ausgelöst. Am besten wartet man bis niemand mehr in der Rinne ist.
Graue Wand, Abstiegsrinne zwischen Wand und Vorbau. Vorsicht: etwas brüchig
Der weitere Abstieg im weichen Schnee (Temperaturen im Tal über 30 Grad) war dann problemlos.

Facts:
Furka - Graue Wand - Eisbrecher 6b+ (6a+ obl.) - 12 SL  400 m  - Martin Scheel & Co. 1982, saniert 1997 - ***, xx
Material: 10 Exen, Camalots 0.3-2, Bandschlingen, evtl. Klemmkeile 2-10, Pickel und evtl. Steigeisen (falls harter Firn) für den Zustieg.
Absteigen: Abseilen über die Route wäre möglich, aber einfacher/direkter über die zentrale Abseilpiste.
Topo: Schweiz Extrem Ost (aktuell),  Originaltopo (nicht mehr ganz aktuell)

Fazit: Schöne, alpine Route mit abwechslungsreichen Rissen und Platten, wobei Risse und Schuppen überwiegen. Es kann und muss viel selber gesichert werden. Die wenigen Bolts sind aber durchdacht gesetzt  (bis auf einen; siehe oben SL9) . Für die damalige Zeit ein Highlight. Die Route weicht an einigen wenigen Stellen gegenüber der Originalroute ab. 

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