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Freitag, 7. Dezember 2012

Spezielle Lawinensituation März 2012 Gluristal

Tour Datum: 10.3.2012

Aus meinem Archiv will ich hier über eine eigentlich banale Skitour ins Gluristal vom letzten März 2012 berichten. Das spezielle war aber die Lawinensituation, welche ich an diesem Ort so noch nie gesehen habe.

Die Skitour im Toggenburg von der Sellamatt ins Gluristal ist eine einfache Tour, welche ich seit über 20 Jahren mindestens einmal im Jahr unternehme. 
Die Route kann man meist auch bei "erheblich" machen wobei bei kurzen steilen (lichten) Waldpassagen sowie unterhalb des Glurissattels Vorsicht geboten ist. Vor allem unterhalb des Glurissattels war mir auch schon nicht so wohl wegen den Triebschneeansammlungen in den Flanken (Hinterrugg und Schibenstoll) oben. Kleinere harmlose Trockenschnee-Lawinenabgänge von den Flanken habe ich zwar schon beobachtet aber bis anhin noch nie was grösseres. Die Hauptgefahr sind ja bekanntlich durch Skitourengeher selbst ausgelöste Schneebretter und weniger Lawinen 'von oben'.

An diesem Tag war ich dann erstaunt, dass die Aufstiegsspur im unteren Teil  ziemlich rechts (westlich) von der üblichen Spur hochführte. Erst bei der Abfahrt zeigte sich, was die Ursache dafür war: 2 grosse Nasschnee-Lawinenkegel bedeckten die übliche Aufstiegsspur etwas nördlich von 'Gluris'/Pkt. 1694 und führten ziemlich weit in die Mulde hinunter. Die Kegel waren wegen den grossen Blöcken schwierig zu überqueren; halt wie typische Frühlings-Nasschnee-Lawinenkegel. Der Hang oberhalb ist nur ca. 100-150 m hoch und weist meist steiles, felsiges Gelände auf und konnte doch diese grossen Lawinenkegel erzeugen! Da war ich schon sehr erstaunt! Offensichtlich hatte sich in diesen Hängen, d.h. in den relativ kleinen grasigen Hangteilen zwischen den Felsen eine grosse Menge an Triebschnee angesammelt.
Lawinenkegel  oberhalb Gluris noch vor den Schären. Im Rücken des Fotografen hatte es nochmal einen ähnlich grossen Kegel.
Die Ursache dieser Nasschnee-Lawinenkegel war eine vorhergehende starke Erwärmung, was dann später auch im  SLF-Bericht in folgender Form nachgelesen werden konnte:

  • 24. Februar bis 01. März 2012
    Starke Erwärmung, zwei Zyklen mit hoher Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen
  • 02. bis 08. März 2012
    Zunächst noch Nass- und Gleitschneelawinen, dann Anstieg der Gefahr für trockene Lawinen

Oberhalb der Schären, hinten das Gluristal ohne grössere Lawinenkegel obwohl das Potential in diesem Bereich grösser wäre.

Blick vom Gluristal oben Richtung Westen mit Tödi und schönem Nebelmeer. Das Foto entstand am 29.1.2012 (um zu zeigen wie schön es dort oben ist...)
Fazit: Auch im Gluristal sollte man je nach Gefahrenstufe defensiv auf Skitouren gehen, insbesondere bei starker Erwärmung. Und Lawinen sind eben doch unberechenbarer als man denkt.

Freitag, 30. November 2012

Schafbergwand - Piccolo + Bridge of Light (6c)

Tour Datum: 16.11.2012 

Das schöne Herbstwetter haben Ruedi H. und ich nochmals genutzt für eine MSL-Tour im Alpstein an der Schafbergwand. Um diese Jahreszeit hat es meist keine anderen Kletterer unterwegs, was bei diesen Routen sicher ein Vorteil ist.

Eine sehr gute und detaillierte Beschreibung dieser MSL-Touren von Marcel, welcher die Tour in diesem Frühjahr gemacht hat, findet man hier Schafbergwand-piccolo-bridge-of-light 
Bezüglich der Beurteilung der Schönheit, Absicherung und Schwierigkeit stimme ich mit Marcel's Beurteilung weitgehend überein.
An dieser Stelle poste ich ein paar ergänzende Fotos und einige persönliche Bemerkungen.

Piccolo (6a+, 6a obl.), 4 SL
Eine ideale Aufwärmroute und sicher angenehmer als die Schlucht direkt hoch zur Route "Bridge of Light".
Piccolo, SL 3, 6a+, Ruedi in der Platten-Crux-Querung
Abseilen am Ende von Piccolo (etwas rechts unterhalb des Südturms)  in die Schlucht
Am Ende der Route Piccolo hat es eine gute Abseilstelle von der man mit ein mal Abseilen (2 x 50 m Seil) in die Schlucht gelangt. Unten nehmen wir das Seil auf und steigen problemlos hoch zum Einstieg von Bridge of Light. Sichern bringt hier nichts; so ist man auch einiges schneller.

Bridge of Light (6c, 6b obl.), 5 SL
Von der 1.SL/6c haben wir leider keine Bilder. Sie ist ziemlich pumpig und auch etwas technisch über eine Länge von ca. 15 m aber ich kann sie im Vorstieg punkten. Nachher im oberen Teil wirds einfacher.

Die Seillängen 2-4 folgen dann der Verschneidung entlang, wobei wir meist piazen. Hier kann man die grossen Friends gut brauchen. Man könnte wohl auch 2 Seillängen zusammen hängen (da kurze Seillängen). Teilweise hats eine etwas unangenehme Krümmelschicht auf dem Fels. 
Bridge of light, SL 2 6b, Ruedi nach dem 1.Piaz
Bridge of Light, SL 3, 5c+, Hans für einmal nicht am Piazen

Bridge of Light, SL 4, 6a, weiter gehts mit piazen 
SL 5, 40m, 6c: Das lief ja bisher gut und der Anfang der letzten Seillänge scheint nur ein kurzes Stück wirklich schwierig zu sein. Dem ist auch so, aber hier schätze ich am Ende der Querung einen Griff als gut ein, was aber leider nicht der Fall ist und schwups bin ich weg und habe mein Routen-OnSight vergeben. Anschliessend kann ich die Stelle zwar problemlos klettern, ich ärgere mich aber doch über diesen Patzer; obwohl Plattenkletterei im 6b/6c-Bereich immer ein Restrisiko beinhaltet, war die Stelle jetzt nicht wirklich so schwer. Oben dann bei der 2.Crux beim Überhang nach dem 3.BH (nach dem guten Griff) rutsche ich bei der Querung am Ende einer difficilen Körperverschiebung nach rechts mit dem Fuss ab und hänge schon wieder ein paar Meter tiefer im Seil. Auch dies schien mir wiederum ein unnötiger Abgang zu sein; so kann man natürlich nicht punkten. Insgesamt fand ich diese SL eigentlich einfacher als die SL1 (auch 6c). Vielleicht war ich hier ja schon etwas müde und die Konzentration liess nach...
Bridge of Light, Anfangs SL5, 6c, bei der Plattencrux. anschliessend kommt oben ein längeres grasiges Stück.

Bridge of Light, SL5 6c, kurz vor der 2.Crux; der kleine Überhang ist nicht das Problem sondern nachher
Oben angekommen machen wir uns ans Abseilen über die benachbarte Route "Tanz auf dem Regenbogen".Beim ersten Abseilen klemmt jedoch das Seil beim Abziehen nachdem wir schon ziemlich weit abgezogen haben, aber das andere Seilende ist zum Glück noch nicht durch. Alle Tricks helfen aber nichts; ich muss ca. 15 m hochprusiken und hier sehe ich: ziemlich Pech gehabt; ein Seil hat sich links in einem Ast verhängt, das andere wurde durch einen Grasbüschel rechts aussen gehalten und nach dem Knoten im oberen Teil sind die Seile ineinander verdreht. Nach lösen des Ast- und Grasbüschel-Verhänger und entdrehen des Seils konnten wir das Seil dann gut abziehen. Dies hat uns beinahe 1/2 Stunde gekostet.
Das Abseilen durch die Schlucht gestaltete sich als ziemlich heikel, da Steinschlag kaum zu vermeiden ist; gut ist keine andere Seilschaft unterwegs.
Der letzte Abseilstand in der Wand (2 Haken mit Rapid Mailons drin) kann man von der Farbe her leicht übersehen; am Baum links unten kann man aber auch noch abseilen.

Abseilen; Ruedi im unteren Teil der Schlucht
Achtung: Die Schlucht ist Steinschlag-gefährdet; vor allem wenn mehrere Seilschaften unterwegs sind, sollte man sehr vorsichtig sein oder besser dann nicht einsteigen.

Fazit: Es war interessant mal wieder in diesem Sektor der Schafbergwand zu klettern. Insgesamt sind die Routen aber schon etwas grasig; die klassischen bekannteren Routen Sandührliweg, "Sandi in the moon" oder Frospfeiler an der Schafbergwand scheinen mir doch noch schöner zu sein.
Trotzdem war es ein sehr schöner Tag mit einem gewissen alpinen Erlebniswert. 

Facts: siehe Facts von Schafbergwand-piccolo-bridge-of-light 

Mittwoch, 28. November 2012

Eiger, Genfer Pfeiler - Deep Blue Sea (7b+)

Tour Datum: 18.8.2012

Eigentlich wollten wir an die Wenden aber unerwartet kam ich zu einem sehr speziellen Kletter-Erlebnis am Genfer Pfeiler.

Vorneweg: Die Route war für mich auch im Nachstieg leider zu schwer...
Marcel hat bereits einen super Bericht über diese Tour geschrieben: Deep-blue-sea 
Ich möchte hier als Ergänzung noch einige persönlichen Eindrücke festhalten.

Das Biwak auf dem Rotstock war mit dem Sonnenuntergang fantastisch; wir haben Fotos geknippst wie die asiatischen Touristen auf dem Jungfraujoch!

Da ich mit Marcel vor einem Jahr schon einmal am Genfer Pfeiler die Route Freakonomics klettern konnte, welche nur ca. 50 m rechts von der Deep Blue Sea verläuft, wusste ich in etwa was mich erwarten wird (dachte ich zumindest...); 7b+ ist ja eigentlich nicht so viel schwerer wie 7a+. Ausserdem war klar, das mit Dani ein sehr guter Kletterer den Lead übernehmen würde. Ich konnte also beruhigt schlafen.

Der Zustieg und das Abseilen am anderen Tag verliefen dann problemlos.

SL 1 bis SL 3 konnte ich frei ohne Hänger klettern, wobei ich bei der SL3 (7a) doch schon ziemlich kämpfen musste.
SL 2 6b+ ist im Gegensatz zur 1.SL schon im überhängenden Gelände
In SL 2 gehts noch gut und zwischendurch hats auch noch einige grosse Griffe
SL3, 7a ist schon einiges feingriffiger, aber die kann ich noch punkten. Super schöner Fels!
Erwartungsgemäss konnte ich die 7b+ von SL 4 nicht frei klettern.
Ich musste jedoch auch anschliessend im Gelände mit 7a und darüber viel mit Express-/Seil-Hilfe hochangeln. Das Problem war auch, dass durch die Seildehnung der langen Seillängen ein Sturz einem ca. 3 m zurückwarf und man zuerst mühsam wieder hochklettern musste. Sich am Seil nachziehen war wegen dem überhängenden Gelände und den schlechten Tritten sehr anstrengend und kaum möglich. Deshalb habe ich insgesamt 3 Mal eine längere Strecke hochgeprusikt; wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Ropeman mitgenommen!

SL4, 7b+, Marcel am figten, unten ein erster Hänger von Hans 
SL5, 7a+ auch hier ein Hänger zum erholen. Und das im T-Shirt in der Nordwand.
Nach 3 von den 6 schweren Seillängen hatte ich krämpfe in den Fingern, was ich meinen Kollegen auch gesagt habe. Ich wollte keinesfalls meine Kollegen an der weiteren Begehung behindern. Abseilen aufs Ausstiegsband wäre zwar möglich gewesen aber den Quergang zur Westflanke, welcher gemäss Topo mit 3 Bolts gesichert ist, hätte ich irgendwie doch klettern müssen (Schwierigkeit unbekannt; ob das funktioniert hätte?).
Ich entschloss mich dann doch weiterzuklettern mit dem Ziel irgendwie hochzukommen.
Da ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr bis zum Anschlag kletterte und alles was 7a und drüber war schon gar nicht versuchte frei zu klettern, ging es dann doch wieder recht gut.
Insgesamt wären meine Kollegen ohne mich wohl mind. 1/2 Stunde schneller gewesen. Trotzdem haben sie nicht die Geduld verloren oder mich gehetzt (ok, sie waren auch froh um die Erholungspausen, aber dennoch)
SL6, 7a+ Und wieder ein Hänger. Unten, am oberen Bildrand, der Eigertrail
SL 8, 7b+ ungewohntes Bild vom Vorsteiger Dani auf den Stand. Rechts die Crux; ich habs direkt dem Riss nach versucht, was ich aber auch nicht klettern konnte; so einfach ist der Riss oben nicht und zudem splitterig. 
SL 8, 7b+, im einfachen Ausstiegsteil; uff, geschafft!
Vom Stand der SL 9 Blick auf die Jungrau; einfach fantastisch die Aussichten und das Wetter!
Facts: siehe Facts von Deep-blue-sea

Mein Fazit: 
  • Im Vergleich zur Freakonomics ist die 'Deep Blue Sea' sehr hart bewertet, respektive Freakonomics ist zu soft bewertet (zumindest die 7a+-SL). In der Freakonomics konnte ich alles frei klettern, bis auf die 1.SL sogar sauber.
  • In den meisten Mehrseillängen-Touren, welche ich sonst unternehme, steige ich das Meiste oder dann die Hälfte vor; in dieser Tour ist es mir das erste Mal passiert, dass ich über längere Abschnitte auch im Nachstieg voll überfordert war... auch mal ein lehrreiches Erlebnis.
  • Der Fels ist wirklich fantastisch aber mein Kletterniveau war schlichtweg zu tief um es durchgängig geniessen zu können.
  • Super fand ich von Marcel, dass er in seiner Tourenbeschreibung meine schwache Kletter-Performance nicht erwähnte und auch keine entsprechenden Bilder publizierte ;-) (was ich hier nachhole...)
  • Trotz allem war es natürlich ein sehr spezielles Erlebnis, das ich nicht missen möchte.
    Vielen Dank an Marcel und Dani!
  • Kleider: ich hatte dieselbe relativ schwere Softshell (nebst einem leichten Fleece-Pullover) dabei wie vor einem Jahr in der Freakonomics, was aber heute zu warm war. Eine dünnere Jacke hätte gut gereicht.
  • Die Route ist sicher aufgrund der grossen Bolt-Abstände sehr anspruchsvoll für den Vorsteiger. Die Seillängen sind zudem für die hohe Schwierigkeit meist sehr lang (30 - 50 m) was viel Ausdauer erfordert. Eine 7a (besser 7b) sollte man OnSight mindestens sicher drauf haben. Ich war auf jeden Fall sehr beeindruckt von Dani's (und Marcel's) Kletterleistung!
  • Und ich kann auch Dean Potters Angst/Respekt vor der Route bei seiner Free-Solo-Begehung mit Basejump-Ausrüstung gut nachvollziehen welche in diesem Youtube-Video anschaulich geschildert ist (nach ca. 3 Min.).


Sonntag, 11. November 2012

Klettergarten Gluristal

Tour Datum: 20.10.2012

Hier soll 'unser' Klettergarten im Gluristal vorgestellt werden. Ich finde, dass er eigentlich sehr attraktiv ist und mehr Begehungen verdient hat und zudem noch einiges Felspotential für Neuerschliessungen vorhanden wäre.
Diesen Herbst konnte ich seit langem wieder einmal die Routen in unserem Klettergarten im Gluristal klettern und war begeistert wie gut der Fels dort ist. Er ist durchaus mit dem Äscher zu vergleichen; nur hat es bisher leider erst wenige Routen. Der einzige Nachteil ist, dass es im Bereich 4c - 6a keine Routen hat (weil wir keine einfache Route gefunden haben).
Auf unserer SAC-Uzwil-Sektions-Seite haben wir den Klettergarten oberhalb unseres Clubheims schon seit über 12 Jahren beschrieben inkl. Topos. Hier will ich einige ergänzende Informationen, insbesondere auch über den Zustand der Routen, veröffentlichen. Generelle Angaben wie Zugang etc. findet man am Schluss dieses Posts (Facts).

Zaubertrank, 6a+, 1 p.a. oder 6c+, 30 m (linker Wandteil)
Dies war die erste Route, welche wir 1997 von unten eingerichtet haben. Alle anderen Routen haben wir dann von oben gebohrt. Die 6c+-Crux kommt gleich nach dem 2.Bolt (unaufgewärmt nicht so zu empfehlen), kann aber gut mit A0 geklettert werden. Oben dann eher plattig mit Bändern unterbrochen und einem kleinen Piaz. 
Route Zaubertrank, Hans am Einbohren von unten; ein 'historisches'  Bild von 1997 ;-)


Zaubertrank, unterer Teil mit der Crux nach dem 2.Haken (oben in der Bildmitte); es gilt an die Schuppe hoch mit Untergriff zu kommen wobei die Platte vorher kaum Griffe hat.
Zaubertrank, Viktor bereits nach der Crux, welche gut auch mit A0 überwunden werden kann.
Zaubertrank, oberer Teil, auf den Bändern kann man sich gut erholen. Die Route zieht von links nach rechts hoch, weshalb am besten ein Nachsteiger die Exen rausholt.
Miraculix, 6c, 1 p.a. oder ca. 7a-7b, 25 m (linker Wandteil)
Gleich nach dem ersten Bolt kommt eine 6c-Stelle; die Lösung ist nicht sofort ersichtlich: rechts unten mit der Untergriffschuppe und dann hoch an die Strukturen geht es. Die 1 p.a.-Stelle beim 4.Bolt konnten wir bisher nicht klettern, ich habe nun aber eine Lösung gefunden, welche kletterbar ist (im Bereich ca. 7a bis 7b), die geht etwa so: von guten Griffen an der Schuppe rechts etwas höher stehen, mit rechts an den noch relativ guten Griff weit rechts oben in der Platte, Foodhook links an die Schuppe unten (zum stabilisieren), mit links an feinen Griff, links hochstehen, links an 2-Fingergriff weit hoch, höher stehen rechts, an Unterschuppe rechts aussen hoch greifen, rechts eindrehen und mit links an guten Griff weit oben schnappen (Crux-Move). That's it. Nach dem vielen probieren der Einzelstellen schmerzten mir die Finger leider zu sehr um alles aneinander im RP zu hängen.
Oben kann man dann entweder die Variante eher links oder rechts klettern, wobei die rechte Variante noch eine Piazzschuppe hat. Beide Varianten sind sehr schön.

Miraculix, Hans versucht die Crux-Stelle frei zu klettern. Super Fels
Miraculix, in der Variante rechts geklettert. 
Hinkelstein6b, 30 m (rechter Wandteil)
Der erste Teil ist eher plattig, die Herausforderung dann an die grosse Schuppe zu kommen. Wenn man direkt nach dem 3.Bolt an die grosse Schuppe nach rechts klettert und an dieser weiterpiazzt,  ist der 4.Bolt viel zu tief gesetzt und kann kaum mehr geklinkt werden (eine Möglichkeit ist den 4.Bolt zuerst zu klinken und dann zurück und tief unten rechts an die Schuppe queren). Besser wäre ein Bolt an der Schuppe oben (den sollte man evtl. noch bohren). Aber vielleicht war unsere Idee damals direkt hoch zum 4.Bolt zu klettern (und erst dann an die Schuppe), was mir jedoch deutlich schwerer erschien. Die längere Piazz-Schuppe erfordert dann athletische Ausdauer. Oben dann immer noch steil mit meist guten Griffen, welche man aber nicht immer sofort sieht. Ein paar Meter vor dem Stand noch ein kleiner Überhang (gutgriffig). Eine wirklich abwechslungsreiche Seillänge und wohl eher eine 6b der alten Schule (6b+ oder 6c fänd ich heute auch ok).
Hinkelstein, abwechslungsreich und athletisch mit längerem Piaz an der grossen Schuppe

Y2K, 7a, 1 p.a. oder ? (auch 6c obl., 3 p.a. möglich), 1.SL 12 m (6b, alt 6a+), 2.SL 22 m, (7a) (rechter Wandteil)
Diese Route haben wir im Jahre 2000 kreiert, der Name ist die Abkürzung für 'Year 2000' und spielt auch auf die Computerprobleme an, welche wegen dem Jahrtausendwechsel damals ein grosses Thema waren.
Wir hatten heute leider keine Zeit mehr, diese Route zu klettern. In der 2.SL hat sie aber noch eine schwere Stelle welche wir bisher nicht frei klettern konnten. Es wäre natürlich interessant zu wissen, ob sie frei kletterbar ist und wenn ja, welche Schwierigkeit. 

Y2K, auch hier super Fels
Wie erwähnt, hat es vor allem zwischen dem linken und rechten Sektor noch viel Felspotential (ca. 200 - 300 m) für neue Routen, wobei diese wohl aber eher im oberen Schwierigkeitsbereich liegen. Die im Topo als 'Projekt' bezeichnete Linie geben wir gerne frei; der untere Teil ist einfacher aber oben haben wir (von unten betrachtet) keine für uns kletterbare Lösung gesehen. Aber man müsste es halt versuchen. Es würde mich freuen, wenn noch ein paar zusätzliche gute Routen entstehen würden!

Facts:

Originalpublikation: SAC-Uzwil-Website http://www.sacuzwil.ch/Klettergarten.htm

Zugang (siehe Skizze):
Direkt am Wanderweg von der Sellamatt ins Gluristal unterhalb vom Sattel auf der Westseite des Hinderrug. Die Sektoren befinden sich rechts und links der "Schlucht", auf ca. 1780 m.
Koordinaten: 741 200 / 225 180
1 Stunde (gemütlich) von der Bergstation Sessellift Selamatt, 
45 Min. ab Clubheim SAC Uzwil



Sektor A: Kinder-/Uebungsklettergarten rechts des Weges, Höhe 6-12 m, Schwierigkeiten: 2-4, oben und unten flach, Abseilstellen. Beschreibungen siehe SAC-Uzwil-Website

Sektor B: Klettergarten mit meist schwierigeren (ab 6a+) und bis zu 30 m langen Routen. 2 Felsriegel, welche zum Teil je bis zu ca. 40 m hoch sind und durch ein grosses Grasband unterbrochen sind. Der rechte, obere Sektor ist ca. 20 m vom Wanderweg entfernt.
Auch im Winter am Nachmittag sonnig!

Achtung: von den oberen Grasbändern ist Steinschlag möglich (auch auf den Wanderweg); am Besten hält man sich direkt an der Wand von Sektor B oder in der Nähe von Sektor A auf.
Wandansicht Sektor B mit den Routen



Topos Sektor B

Routen Sektor B
Zaubertrank, 6a+, 1 p.a. oder 6c+, 30 m, 1 Bandschlinge (11 Express)
Sepp Kempter, Hans Tobler, 16.8./4.10.1997,
von unten eingerichtet, am 14.8.1999 nachgerüstet mit 2 BH
Schwierige Einzelstelle, 2 Grasbänder schmälern etwas den Genuss
Zustand 2012: Alle Haken und Stand in bestem Zustand.

Miraculix, 6c, 1 p.a. oder ca. 7a-7b , 25 m, (11 Express), oben 2 Varianten (links und rechts)
S.Kempter, H.Tobler, 14.8.1999
Athletisch, Ausdauer
Zustand 2012: Alle Haken und Stand in bestem Zustand.

Y2K, 7a, 1 p.a. oder ? (auch 6c obl., 3 p.a. möglich); evtl. aber auch einiges schwerer, 1.SL 12 m (6b), 2.SL 22 m, (7a), (10 Express); die 2 Seillängen können auch zusammengehängt werden.
I.Rüthemann, H.Tobler, 9.9.2000 (Jahr 2000-Anlass SAC Uzwil)
Die 2.SL ist athletisch, Ausdauer, technisch

Hinkelstein6b, 30m, (12 Express), etwas Seilzug (evtl. Halbseiltechnik)
S.Kempter, H.Tobler, 4.10.1997
Abwechslungsreich, Piaz, athletisch + homogen
Zustand 2012: Wenige Haken und ein Standhaken sind etwas rostig.

Die Schwierigkeitsangaben sind provisorisch! 
Miraculix und Y2K wurden noch nicht RP geklettert.
Rückmeldungen an den Autor sind sehr willkommen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Moor-Moorphium 7b/6c

Klettern am Moor im Alpstein
Tour Datum: Donnerstag 25.10.2012

Das letzte Mal war ich vor ca. 15 Jahren am Moor als ich den damals unsanierten KCG-Weg kletterte, welcher mich aber bzgl. der Absicherung (alte, rostige Schlaghaken) gar nicht überzeugte. In der Zwischenzeit wurden jedoch einige Routen am Moor saniert und es hat neue - meist sehr anspruchsvolle - Routen gegeben (bis zu 8a+). Die Route Moorphium hatte ich schon länger auf dem Radar.
Zustieg zum Moor von der linken Seite, teilweise etwas ausgesetzt (T4)
So freute ich mich sehr, kursfrisitig mit Ruedi, dem Erschliesser der Moor-Route 'Teddy und Thomas', und sehr guten "Moor-Kenner" einen geeigneten Partner für diese Route zu finden.
Wir trafen uns dann um 7:20 in Wildhaus. Den Zustieg hatten wir in knapp 2 Stunden bewältigt und sind um 9:40 in die Route eingestiegen mit dem Ziel am Ende über diese wieder abzuseilen.
Ganz rechts im Bild startet die Route Moorphium und zieht links hoch
SL 1, 6c, 35 m: Entgegen meinen Erwartungen fängt die erste Seillänge einfach an und auch die Crux vor dem kleinen Überhang (der Überhang dann relativ grossgriffig) fand ich eher soft bewertet. Die Wand sieht vom Einstieg her gar nicht so steil aus; aber da täuscht man sich...
Ruedi in SL 1 nach der Plattencrux im kleinen Überhang
SL 2, 6c+, 25 m: Frohen Mutes steig ich in die 2.SL ein, muss aber schon nach einigen Meter beim ersten Überhang kapitulieren da ich direkt über den Haken leicht rechts hochsteige und dort nicht weiter komme. Schliesslich finde ich die Lösung; am besten gehts links rüber an den guten Griff in der Platte oben; das ist aber auch nicht so einfach, da zuerst an kleinen Griffen unterhalb des etwas brüchigen Überhanges gequert werden muss. Aber auch anschliessend ist die Kletterei steil und technisch anspruchsvoll sodass ich nochmals 1-2 Hänger habe. Kleine Friends können/sollten gelegt werden. Diese SL fand ich nicht nur ein "+" schwerer als SL 1.
Ruedi folgt in SL 2 und befindet sich in der 1.Crux

In der SL 2 kurz vor dem Stand; abwechslungsreiche Kletterei in super Fels
SL 3, 6c+, 40 m: Es geht weiter wie in SL 2: Anspruchsvoll, steil und anhaltend mit teilweise weiten Bolt-Abständen. Ich jedenfalls kam ziemlich an den Anschlag und musste schwer atmend 2 mal längere Erholungs-Hänger einlegen aber immerhin konnte ich alles frei klettern. Die Runouts können manchmal mit kleinen Friends entschärft werden, sofern man den Power noch hat diese zu setzten. Um diese SL OnSight zu klettern braucht es schon ziemlich Ausdauer und eine gute Übersicht. Stürzen ist wohl aufgrund der Steilheit eine Option aber 3-5 m über dem letzten Bolt wohl kaum angenehm.
Ruedi sichert den Autor in SL 3, welcher bei einem "Erholungs-Hänger" ein Foto vom bisherigen Verlauf macht. Auch hier super, teilweise scharfer Fels 
Nachdem wir 3 Stunden für die ersten 3 SL hatten war ich mir nicht mehr sicher, ob wir heute noch ganz durchkommen, doch Ruedi, der die Route schon kannte, ist optimistisch.

SL 4, 7b oder 6b/A0 , ca. 30 m: Anfangs gehts einfach rechts hoch zu den grossen Schuppen wo noch vor dem 1.Bolt ein Friend gesetzt werden kann. Beim 2.Bolt dann die 7b rsp. 6b/A0-Stelle, welche recht gut mit Hilfe eines Bolts überwunden werden kann. Die 7b-Stelle habe ich (wie wohl viele andere) gar nicht ernsthaft versucht zu klettern; sie ist aber relativ kurz (2-3 m) an einer sehr feingriffigen Platte (sieht etwas splitterig aus). Wenn ich gewusst hätte, dass die meisten Hauptschwierigkeiten vorbei sind, hätte ich die Stelle schon noch etwas ausgecheckt (aber wohl erfolglos...).
Ruedi in SL 4 nachdem er eben die 7b-Stelle mit A0 überwunden hat
Der Autor im Nachstieg im oberen Teil in SL 4 , wo es nicht mehr schwerer als 6b ist.
SL 5, 6c , 35 m: Das Gelände ist nicht mehr so steil und eher etwas plattig; mit etwas Geduld und Übersicht ist diese SL gut OS kletterbar. Ich empfand sie eher als soft für den Grad.
Ruedi folgt in der gutmütigen aber ebenfalls schönen SL 5 (6c)
SL 6, 6b , 50 m: Anfangs über längere Passagen grasig/einfaches Gehgelände hat es dann doch noch einige Felsaufschwünge welche zwar Bolts haben, ein Sturz aber wohl auf einem Bödeli enden kann. Vor allem der 6b-Quergang am Schluss sollte sicher geklettert werden, da man infolge der Seildehnung auf unschönes Gelände stürzen würde. Ruedi meistert die Stellen aber sicher, als Nachsteiger kann man hier diesbezüglich entspannt klettern. Entgegen der Angabe im Topo (45 m) reicht 50 m nur knapp; ich musste mich jedenfalls am Schluss aus dem Stand lösen, was aber unproblematisch ist (50 m Doppelseil ist ok). Auf Seilzug achten (Exen im unteren Teil verlängern). Die Bewertung 6b fand ich ok.
SL 6 ist Anfangs über längere Passage einfach mit Grasabschnitten....
SL 6 hat aber gegen Ende noch eine schwere Stelle auf  Lager: Ruedi in der Linksquerung
Hans an derselben Stelle von SL 6: die Herausforderung ist hier auf das Band zu stehen, wobei die Wand oberhalb grifflos ist. Meine Lösung, welche gut funktionierte: Rechts den guten Griff krallen (Bild) und links möglichst hoch auf den Rand des Bandes stehen und hochdrücken; man ist zwar kurz ziemlich zusammengeklappt aber so muss man nicht auf den Knien das Band hochrobben. Kurz vor dem Stand wartet dann noch eine feingriffige Linksquerung-Stelle (verschiedene Lösungen entweder eher von unten oder für Grosse direkt queren).
SL 7, 6c+ , 20 m: Da die athletische Crux gleich am Anfang beim 1.Bolt ist kann man sie gut auschecken und falls man sie - wie ich - nicht auf Anhieb durchziehen kann, kann man gut nochmal zurück und einen weiteren OS-Versuch planen. Beim 3 mal hab ich dann die Stelle so geklettert: Mit links hoch an den guten Griff (nur für die Finger) ziemlich oberhalb des Bolts, möglichst hoch stehen und mit rechts in das grosse aber slopperige Loch hoch, welches man anschliessend auch weiter oben nach links belasten könnte und mit links an den breiten Griff unterhalb des Grasbüschels greifen kann. Da es nichts zum stehen mehr hat braucht dies ziemlich Power und ich umgehe dies mit einem dynamischen Schnapper mit Links an den Griff oben (was ich nur wage weil die Stelle so gut abgesichert ist). Ruedi findet eine wohl einfachere, stabilere Lösung ca. 1-1.5 m links vom Haken; ich denke aber, dass dies kaum die 'Idee' der Erstbegeher war (wobei in alpinen MSL das nicht so genau genommen wird ;-). Der Rest der Seillänge ist dann einfacher im Bereich 6b/6b+ mit guten Rastpunkten.
Die Crux (6c+) gleich Anfangs von SL7 : das Ziel ist der Griff links oben unterhalb des Grasbüschels! Die Absicherung ist hier für einmal super (Klettergartenmässig) und stürzen problemlos.
Blick vom Ausstieg der Route ins Toggenburg zu den Churfirsten; genial so an der Sonne  über dem Nebel im T-Shirt zu klettern!
Ruedi freut sich in der Schluss-SL 7 über die schönen Kletter-Moves und dass er gleich oben ist.
Am Ausstiegs-Stand hat es ein komfortables Felsplateau wo wir uns gemütlich hinsetzen, etwas essen und trinken, plaudern und die tolle Aussicht geniessen. Sogar ein Adler kommt kurz auf Besuch!
Mit knapp 5 1/2 Stunden Kletterzeit haben wir im oberen einfacheren Teil doch eine noch vernünftige Zeit erreicht. Während wir für die ersten 3 SL volle 3 h hatten, benötigten wir für die oberen 4 SL nur knapp 2 1/2 h; das sagt doch auch einiges über die Schwierigkeiten der Seillängen.
Am Ausstieg der Route kreist dann noch als Highlight ein Adler über uns! Beurteilt er uns als leichte Beute weil wir so abgekämpft aussehen? ;-) Nein, in den oberen Seillängen konnten wir uns wieder erholen. Hinten das Rheintal im Nebel.
Dann machen wir uns nach einer längeren Pause ans Abseilen. Hierbei ist es entgegen dem Topo nicht notwendig zuerst nach links zu queren, sondern man kann problemlos direkt vom Ausstieg der Moorphium nach links unten zum nächsten Abseil-Stand queren. In knapp 1 Stunde sind wir unten.
Abseilen an den Stand von SL 3; hier bekommt man einen Eindruck von der Steilheit von SL 3 welche links hochgeht.
Unten am Einstieg geniessen wir nochmals ausgiebig die Sonne und die Aussicht und haben gar keine Lust ins Tal in den Nebel zu steigen. Schliesslich machen wir uns doch auf den Weg und erreichen in knapp 1 1/2 Stunden kurz vor 19 Uhr beim Eindunkeln Wildhaus. Das war wieder einmal ein super schöner Herbst-Klettertag im Alpstein!

Facts

Alpstein, Moor, Moorphium 7b (6c obl.), 7 SL, Dominik und Lukas Dürr, Christoph Looser, 1998
Meine Bewertung gemäss Marcel: Schönheit: ****, Absicherung: xx - xxx
Material: 12 Express, Friends 1-2 wobei ca. 1 auch doppelt, Schlingen, 2 x 50m Seile
Topo: SAC Alpsteinführer (2011)
Insgesamt eine sehr schöne Route mit meist super und kompaktem Fels, welche aber wegen der fehlenden Homogenität meiner Meinung nach nicht die vollen 5 Sterne verdient. Chico Mendez am Zuestoll ist z.B. homogener. Die Route lässt sich mit Äscher-Kletterei vergleichen, wobei die Absicherung natürlich wesentlich anspruchsvoller/weiter ist. Vor allem ist 6c in den SL 2 und 3 obligatorisch und sollte nicht unterschätzt werden; in diesen Seillängen hat es auch ein paar Maillon Rapid's in den Bolts von ungeplanten Rückzügen hängen. Die Bolts sind aber sehr gut gesetzt.